Markterhebung

Namensgebung von Seckau

Urkundlich wird der Name Seckau zum ersten Mal 1142 erwähnt. Erzbischof Konrad I von Salzburg schreibt in dieser Urkunde: „in loco Seccowe“. In Urkunden des Mittelalters wird Seckau beispielsweise als „Seccowe, Secwe, Seccouua, Sechowe, Sechowe, Sekov, Seccow, Sekowe, Sekkoue bezeichnet. Bei der Gründungslegende bezieht sich das Wort „Seckau“ auf das lateinische „secare“, was soviel wie schneiden, hauen heißt. Dies bezeichnet die Rodungsart durch Holzschlag, wobei auf die Verlegung der ehemaligen Ansiedlung des Chorherrenstiftes von Feistritz – St. Marein bei Knittelfeld nach Seckau angespielt wird. In der sprachgeschichtlichen Ortsnamenkunde fand die Erklärung für „Seckau“ in dem mit „secare“ wurzel- und bedeutungsverwandten slawischen Wort „secati“.

Aus dem Osten drangen die Alpenslawen im 6 Jahrhundert in die Ostalpenländer ein und besiedleten 3 Jahrzehnte lang die Täler sowie die unteren Berghänge in der Steiermark. An sie erinnern viele Berg-, Fluß,- Flur- und Ortsnamen. Im 9. Jahrhundert drangen die Bajuwaren in der Steiermark ein, die die altslawischen Begriffs- und Siedlungsnamen großteils beibehielten. Es veränderte sich die Aussprache der Namen, schließlich wurden die Ausdrücke den altbairischen Sprach- und Sprechgesetzen unterworfen. Aufgrund der sprachlichen Veränderungen wurde für den Namen „Seckau“ nun eine andere Erklärung notwendig. „Seckau“ wurde urkundlich mit einem einheitlichen Anlaut überliefert – Seccowe 1142, Seccowa 1147, Sechaw 1346, ... – und ist mit Söchau bei Fürstenfeld – Sehcawe 1218, Sechaw 1318 – ident. Der einheitlich überlieferte Anlaut in „Seckau“ weist auf ein altslawisches „z“ hin, was auf stimmhafte Aussprache des germanischen „s“ in unseren Mundarten hindeutet. Diese Erkenntnis des richtigen Lautersatzes bei der Übernahme altslawischer Bezeichnungen führt zur sprachlich verlässlichen Deutung von „Seckau“, die auch sachlich gestützt wird. Die älteste Rodung erfolgte entweder durch Schlägerung (Holzschlag) oder durch Brand (Seng, Gseng, Abseng, Asang, Osing). Bei den mittelalterlichen Lagebezeichnungen der Steiermakr überwiegen Brand-Namen. Diese zwei Arten der Urbarmachung ist auch den Alpenslawen bekannt. Aus der Bezeichnung „zegova“, was soviel bedeutet wie Platz der Brandrodung, entwickelt sich im Laufe der zeit sprachlich einwandfrei Seggau oder Seckau.

Markterhebung Seckaus

 Die Geschichte Seckaus beginnt mit der Gründung des Chorherrenstiftes im Jahre 1142 (wenige urkundliche Aufzeichnungen berichten schon vorher von einer vereinzelten Besiedlung). Die weitere Besiedelung des Ortes sowie seiner Umgebung ist ausschließlich im Entstehen des Stiftes zuzuschreiben. Für die Erhebung zum Markt am 23. August 1660 durch Kaiser Leopold I sind mehrerlei Gründe ausschlaggebend: Einerseits die guten Beziehungen zwischen dem Stift und dem österreichischen Kaiserhaus, das den Seckauer Dom auch für ein Mausoleum wählte, und andererseits dem steten Gehorsam und der treuen Dienste, die der Seckauer Dompropst Maximilian und seine Vorgänger dem Kaiserhaus erwiesen.

Markterhebungsurkunde:

Das Original ist bislang verschollen, eine zeitgemäße Abschrift befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv.

„Wir Leopoldt von Gottes gnaden Erwölter Römischer Khayser Zu allen Zeiten mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungarn, Böhaimb, Dalmatien, Croatien, Sclavonien Khönig, Erzherzog zu Österreich, Hertzog zu Burgundt, zu Brabandt, zu Steyer, zu Kärndten, zu Crain, zu Lützenburg, zu Württenberg, Ober= undt Nider Schlesien, Fürst zu Schwaben, Marggraffe des Heyligen Römischen Reichs, zue Burgau, zu mähren, Ober= und Niderlaußniz, Gefürster Graff zu Habspurg, zu Tyroll, zu Pfirdt, zu Kyburg undt zue Görtz, Landtgraff in Elßaß, Herr auf der Windischen march, zu Portenau, undt zu Salins, Bekhennen offentlich mit dißen Brieff undt thuen kundt allermenniglich, Daß Wür dem Würdigen, wolgebornen Unßerm Rath Liben Andächtigen undt Getreuen Maximiliano ThumProbsten undt ErzPriester zu Seccau Ordinis Canonicorum Regularium Sancti Augustini sowol in ansehung der Trew gehorsamb: undt wilfährigen Diensten die Er undt seine Vorfahrer am Stiefft Unnß undt Unßern Löglichen Erzhauß Österreich, in viel weeg mit besteniger Devotion erwiesen, undt dato laistet: alß auch das Neun leichnamb von Ermelten Unnsern Löblichen Erzhauß alda zu Seccau in Gott Seelig ruhen undt begraben ligen, undt dann sonsten umb dießer undt anderer mehr Ursachen willen, Vorderist aber zu Bezeugung Unnßerer gegen Ihme ThumProbsten tragenden absonderlichen gnedigsten gewogenheit auß aigner bewegnus, dieße besondere gnadt gethan, undt solches Orth oder Dorff Seccau, daß ist die umb dißes Thumstifft herumbligende iezt erbauete, oder noch ins Künfftig wtwo erbauende Heüser, zu einem Marckht gemacht: Thuen daß auch mit wolbedachtem Muth, rechtem Wissen, auch auß Khayser: undt Landtsfürstl: Machts volkommenheit hiemit Wissentlich in Crafft diß Brieffs, Mainen, Setzen undt wollen, daß besagtes orth Seccau, von nun an, auf hinführo in Ewige zeit alßo ein Markht sein, von Menniglichen darfür gehalten, genennet undt geschriben werden, darzue alle Recht, Gerechtigkeit, Freyheit, unndt gutte gewonheiten sowol mit Aufricht: undt Anordnung der HandtwerchsZunfften, alß auch aufnemb: undt Erlehrnung der Jungen: Nitweniger Freysprech: und Ledig Zellung derselben, unndt dan sonsten alle unndt jede Handel unndt Wandel, Ehr, Würde, Schuz, Schirm, Sicherheit unndt glaidt, wie andere Stifft, Clöster unndt Märkht in dißen Unnßern Herzogthumb Steyer, so mit dergleichen oder mehrern unndt bessern Markht Freyheiten, wesen, Innhalts oder begriffs dieselben sein mögen, begabt unndt für gesehen sein, haben, freyen, gebrauchen, unndt geniesen sollen, können unndt mögen, von allermenniglichen unverhindert. Gebietten darauf allen unndt ieden unnßern Nachgesetzen Geist: unndt Weltlichen Obrigkeiten Landtshaubtleithen, Landmarschalckhen, Landts Verwesern, Praelaten, Graffen, Freyenherrn, Vizdomben, Verwesern, Landtleuthen, wie auch Stätten, Märkhten, Gerichten, unndt sonsten allen Unnsern: unndt anderen Ambtleuthen, Underthannen unndt getreuen, was Würden, Standts: oder Wesens die sein, Ernstl. Unndt Vestiglich mit dießem Brieff, unndt wollen, Daß Sye den Vorgenanten orth zu Seccau für einen Marckht, wie andere in dießen unnßern Fürstenthumb Steyer, halten unndt erkennen, bey dießer unnßer auß aigner bewegnus, unndt von sondern gnaden wegen gegeben unndt etwo noch Künfftig verleichenden mehrern Freyheiten unndt gnaden, geruhiglich bleiben, freyen, gebrauchen unndt geniessen lassen sollen, denselben darwider nit tringen noch beschwären, Noch daß iemandts andern zu thun gestatten, in kein weiß noch weeg, alß lieb einem ieden seye Unnßer schäre Ungnadt unndt Straff, unndt darzue Pöen von Zehen March Lödtiges Goldts Zuvermeiden, die ein ieder, so offt er hierwider fräuentlich thätte, Unnß halb in Unnßer Cammer, unndt dem andern halbenthail viel ernantem ThumProbsten unndt dessen nachkommen an Stifft, Unnachläßlichen Zuebezahlen verfallen sein solle: Dann dieß mainen wir Ernstlich. Geben in Unnßern fürstlichen Thumstifft Seccau den 23 Monatstag Augusti nach Christi unnßers lieben Herrn unndt Seeligmachers gnadenreichen geburth, in 1660: unnßerer Reiche des Römischen im dritten deß hungarischen im 6ten und deß Böheimbischen im vietten Jahren.

Leopoldt.

Sinzendorff.

Ad Mandatum Sac: Caes: Maiestatis proprium

Christoph Abele“

Mit der Verleihung des Marktrechtes und eines eigenen Wappens sowie der Installierung eines eigenen Marktgerichtes, dem ein Marktrichter vorstand, war der Grundstein für eine weitestgehend selbständige Verwaltung gelegt. Das baldige märktische Gedeihen drückte sich in sechs Neubauten entlang der Marktstraße aus, die unmittelbar nach der Markterhebung in Angriff genommen wurden. Bezeichnenderweise rückten nun die früher massiv in Neuhofen bzw. im „billigen“ Seckauer Umland ansässigen Gewerbebetriebe eng zusammen, gab es nun doch Begünstigungen durch das Marktrecht, vornehmlich das „noble“ Bürgerrecht. Dazu kam auch die Verleihung von Jahr- bzw. Viehmärkten; für das Jahr 1822 berichtet Carl Schmutz in seinem Lexikon von Steiermark von je 2 Jahrmärkten am Pfingstdienstag und am 28. August sowie je 2 Viehmärkten am Georgi-und Michaelitag in Seckau. Laut allerhöchster Bewilligung vom 08.10.1825 wurden am 23. April und 29. September nur mehr Vieh- und Krämermärkte abgehalten. Für die Zeit um 1900 sind als typisch handwerkliche Gebräuche in Seckau noch das Besenbinden am Allerseelentag sowie das Einschmieren der Lederriemen mit Fett am Faschingmontag überliefert.

Darüberhinaus konnte sich nun in Seckau auch eine zünftische Freiheit entfalten, da nun die hier ansässigen Gewerbe ihre eigenen Zunftordnungen vom Dompropst bestätigen lassen konnten und den Jahrhundertelangen Zunftzwang zu den nahen Städ(t)en Judenburg und Knittelfeld ablegen konnten. So manifesierten sich in Seckau 08.11.1661 die Seckauer Zimmerer, Schuster, Schneider, Huf-, Sensen-, Hacken- und Nagelschmiede in Verbindung mit den Wagnern zu eigenen Zünften.

Dadurch konzentrierte sich ab dem jahre 1660 das gewerbliche Leben immer mehr entlang der heutigen Marktstraße, die dadurch im Laufe der Zeit ihr heutiges Gepräge erhielt.

 
E5 Logo